Nachhaltig landwirtschaften

Die UN-Weltkommission für Umwelt und Entwicklung definiert im „Brundtland-Report“ von 1987 die Nutzung regenerativer Systeme als zukunftsfähig, sprich: nachhaltig, wenn sie „den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten zukünftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen“. 1

Drei Säulen der Nachhaltigkeit

Das Konzept der „Nachhaltigkeit“ basiert auf drei Säulen – der ökologischen, der ökonomischen und der sozialen. Unter dem gemeinsamen Dach der Nachhaltigkeit gilt es stets, alle drei Säulen zu berücksichtigen und im Gleichgewicht zu halten.

Ökologische Säule

Im Sinne der ökologischen Säule der Nachhaltigkeit nutzt der Landwirt die Ressourcen, die ihm der Naturhaushalt zur Verfügung stellt und bewahrt gleichzeitig seine Elemente, d. h. Boden, Wasser und Luft ebenso wie die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten.

Ökonomische Parameter:

  • Rentabilität: Angemessenes Betriebseinkommen
  • Liquidität: Die Fähigkeit eines Betriebes, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen
  • Stabilität: Die langfristige Sicherung von Liquidität und Rentabilität – auch dann, wenn unvorhergesehene Risiken eintreten
  • Investitionen: Langfristige Sicherung der Produktion
  • Einkommen je Arbeitskraft: Der personenspezifische Teil des erwirtschafteten Betriebseinkommens

Ökonomische Säule

Die ökonomische Säule der Nachhaltigkeit betrifft sowohl die Wirtschaftsleistung des gesamten landwirtschaftlichen Sektors als auch die Rentabilität jedes einzelnen Betriebes. Um nachhaltiges Wirtschaften gewährleisten zu können, muss auch die ökonomische Säule tragfähig sein. Aus diesem Grund kann man einen Betrieb, der zwar hervorragende ökologische und/oder soziale Leistungen bietet, aus wirtschaftlichen Gründen aber nicht überlebensfähig ist, nicht als „nachhaltig“ bezeichnen.2

Soziale Säule

Die soziale Säule der Nachhaltigkeit spielt nicht nur eine wichtige Rolle für den einzelnen Betrieb, sondern auch für die gesamte Gesellschaft. Die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln ist seit jeher die Kernaufgabe der Landwirtschaft. Außerdem bleibt die Landwirtschaft trotz in den vergangenen 50 Jahren drastisch gesunkener Beschäftigtenzahlen ein wichtiger Arbeitgeber. Dank moderner Arbeitsbedingungenbedingungen und deutlich gestiegener Produktivität ernährt ein Landwirt heute 13-mal so viele Menschen wie damals.

Ein Landwirt ernährt immer mehr Menschen 3

Die zwischen diesen drei Säulen bestehenden wechselseitigen Beziehungen werden ganz besonders am Naturhaushalt in der Agrarlandschaft deutlich, denn er wird sowohl durch Änderungen im ökonomischen als auch durch Veränderungen im sozialen Bereich stark beeinflusst. So wirken sich beispielsweise rückläufige Finanzierungsprogramme nicht nur auf die Anzahl bestehender Brachflächen aus, sondern auch auf die dort heimische Tier- und Pflanzenwelt. Auch der verstärkte Anbau von Energiepflanzen oder das Verschwinden von Grünlandflächen aufgrund anderweitiger Nutzung ziehen ähnliche Konsequenzen nach sich und verändern bestehende Lebensgemeinschaften.

 

 

1 Quelle: UN

2 Breitschuh, G.; Eckert, H.; Matthes, J.; Strümpfel, J.: Kriteriensystem nachhaltige Landwirtschaft (KSNL), KTBL, 2008 und Christen, O.; Hövelmann, L.; Hülsbergen, K. J.; Packeiser, M.; Rimpau, J.; Wagner, B.: Nachhaltige landwirtschaftliche Produktion in der Wertschöpfungskette Lebensmittel, Erich Schmitt Verlag, 2009

3 Statistisches Jahrbuch über Ernährung, Landwirtschaft und Forsten 2009, Wirtschaftsverlag NW, 2009