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19.03.2013

Der Bienengesundheit verpflichtet

Bienenschutzverordnung macht konkrete Vorgaben für die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln

Im Jahr 2012 haben rund 622.000 Honigbienenvölker in Deutschland etwa 15.000 Tonnen Honig1) produziert. Viele Imker vermarkten außerdem beliebte Bienenprodukte wie Wachs, Pollen, Gelée Royale und Propolis. Die häufig wichtigsten Trachtquellen unter den landwirtschaftlichen Kulturen sind für die Honigbiene während ihrer Blütezeit Raps, Obst und Sonnenblumen.

 

Ein Spannungsbereich zwischen Landwirtschaft und Imkerei ergibt sich aus der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Der Landwirt setzt sie zur Sicherung und Steigerung seiner Erträge ein. Vor allem Insektizide werden von Imkern kritisch betrachtet, weil sie, wie ihr Name sagt, auf Insekten wirken. Damit nur die Schadinsekten, z.B. Blattläuse, bekämpft werden, nicht aber Honigbienen geschädigt werden, müssen klare Anwendungsbedingungen eingehalten werden. Das regelt die Bienenschutzverordnung.

Auflagen sind bindend

 

Die deutsche Bienenschutzverordnung (BienSchV) ist durch das Pflanzenschutzgesetz ermächtigt, das wiederum mit der europäischen Gesetzgebung im Einklang steht. Kernelement der Verordnung sind Auflagen, die im Rahmen der Zulassung eines Pflanzenschutzmittels vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) produktspezifisch vergeben werden. Sie sind auf jedem Mittel abgedruckt, im Internet abrufbar, ihre Befolgung ist für jeden Anwender verpflichtend.

 

Jeder Landwirt muss deshalb die mit den Schutzkategorien B1 bis B4 verbundenen Auflagen für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln kennen:

 

• B1: bienengefährlich – darf in bienenattraktiven Kulturen nicht während der Blütezeit angewandt werden

 

• B2: bienengefährlich – darf in bienenattraktiven Kulturen während der Blütezeit nur nach Ende des täglichen Bienenfl ugs bis 23:00 Uhr angewandt werden

 

• B3: nicht bienengefährlich aufgrund der durch die Zulassung festgelegten Anwendungen des Mittels

 

• B4: nicht bienengefährlich

 

Der Vorteil der Überschaubarkeit, den die Klassifizierung B1 bis B4 hat, ist unverkennbar. Allerdings verlangt die Komplexität mancher Sachverhalte eine differenziertere Betrachtung. Hier einige Beispiele aus der Praxis:

 

Synergien
Das BVL erteilt im Rahmen des Zulassungsverfahrens für Pflanzenschutzmittel neun verschiedene NB-Auflagen (NB = Naturhaushalt Bienenschutz) mit jeweils direktem Bezug zu den Kategorien B1 bis B4. Darin fi ndet auch die Problematik des Zusammenwirkens verschiedener Substanzen Berücksichtigung. Denn die Kombination mehrerer Wirkstoffe kann zur Wirkungssteigerung (Synergie) führen. Dies ist z.B. bei Pyrethroiden (eine Klasse der Insektizide) und bestimmten Fungiziden (Substanzen zur Bekämpfung pflanzenpathogener Pilze) der Fall.

 

Details zu Auflagen und Kennzeichnung bienengefährlicher Pflanzenschutzmittel, eine Übersicht der aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittelwirkstoffe sowie Informationen zur Anwendungskontrolle sind nachzulesen unter: http://www.landwirtschaft-mlr. baden-wuerttemberg.de/servlet/PB/show/1227940_ l1/landinfo_Bienenschutz%20hat%20oberste%20 Priorit%C3%A4t%20beim%20Pflanzenschutz%20 (Dr.%20Nagel).pdf

 

Honigtau
Die zuckerhaltigen Ausscheidungen von Blattläusen können eine wichtige Trachtquelle für Bienen sein. Honigtau kann an Hopfen, Getreide oder Kartoffeln auftreten, deren Blüten für Honigbienen nicht attraktiv sind. Hier muss der Landwirt sehr genau hinsehen! Bei Honigtau darf er keine bienengefährlichen Pflanzenschutzmittel anwenden.

 

Unkräuter
Dasselbe gilt für Unkräuter. Auch sie können in Kulturen wachsen und blühen, die für Honigbienen eigentlich nicht interessant sind, und dies auch außerhalb der Blütezeit der Kulturpflanzen. Unkrautblüten sind also ein weiterer potenzieller Expositionspfad für Sammlerinnen.

 

Reden ist Gold

 

Es gibt viele gute Gründe, warum Imker und Landwirte miteinander reden sollten. Die Bienenschutzverordnung unterstreicht diese Notwendigkeit: „Innerhalb eines Umkreises von 60 Metern um einen Bienenstand dürfen bienengefährliche Pflanzenschutzmittel innerhalb der Zeit des täglichen Bienenflugs nur mit Zustimmung des Imkers angewandt werden.“ Hier ist der Anwender klar in der Pflicht. Trotzdem ist rechtzeitiges miteinander Reden die beste Zusatzversicherung für die Honigbienen.

 

1) Deutscher Imkerbund