22.04.2014

Eh da-Flächen

Platz für Bienen, Blüten und biologische Vielfalt

Fläche in der Kulturlandschaft wird zusehends knapper und damit auch kostbarer. Siedlungsbau braucht Land, der Verkehrswegebau ebenfalls. Die Landwirtschaft versorgt uns längst nicht mehr nur mit Nahrungsmitteln, sondern schultert verstärkt auch unsere Energieversorgung. Die zur Verfügung stehenden Flächenressourcen müssen deshalb so effizient wie möglich genutzt werden. Für die Landwirtschaft bedeutet das nachhaltige Produktion, die immer auch die Entwicklung der biologischen Vielfalt im Blick hat. Bienen und blühenden Pflanzen, wichtige Protagonisten im Naturhaushalt, gebührt dabei besondere Aufmerksamkeit. Hier sind jedoch nicht nur die Landwirte gefragt, sondern hier bedarf es der engagierten Mitwirkung aller Mitglieder der Gesellschaft und der Öffnung neuer Wege.

Eh da-Flächen auf der Spur

Die Rede ist von Flächen, die „eh da“, also ohnehin vorhanden sind. Sie werden bisher weder speziell für den Erhalt biologischer Vielfalt noch für landwirtschaftliche Produktion genutzt. Sie sind nichts Besonderes, man findet sie fast überall. Wegböschungen, Straßenränder, Autobahn- oder Bahndämme, Gemeindegrün in Ortschaften, Dämme entlang von Gewässern sind nur einige Beispiele. Welche Eigenschaften haben solche Flächen?

  • Es sind Areale, die von Menschen beeinflusst sind.
  • Sie sind entweder kleinräumig-kompakt (zum Beispiel eine Grasfläche in einer Gemeinde, ein Zwickel zwischen Straßen) oder schmal-longitudinal (zum Beispiel verkehrswegbegleitend).
  • Kleinräumig-kompakte Areale sind in der Regel isoliert, schmal-longitudinale können Verbindungskorridore sein.
  • Mehrere einzelne Areale können ein Netzwerk in einer Agrarlandschaft bilden.
  • Die enge Nachbarschaft zu Agrarflächen oder Siedlungsräumen führt zu einer direkten Wechselwirkung mit den Maßnahmen in diesen Bereichen.


Im Fokus der Betrachtung von Nutzen und Grenzen der Eh da-Flächen stehen die Bienen und die für sie lebenswichtigen Pflanzen und Nistplätze.

Biene ist nicht gleich Biene

In Deutschland gibt es ca. 560 Bienenarten, nur eine davon ist die Honigbiene Apis mellifera. Hummeln und Solitärbienen sowie eine Anzahl parasitär lebender Arten werden meist als „Wildbienen“ zusammengefasst. Wildbienen haben keinen Imker, der sich um ihre Brut sorgt. Sie benötigen deshalb zweierlei naturnahe Lebensräume: solche, in denen ihre Trachtpflanzen wachsen und solche, in denen sie ihre Brut aufziehen.

Was können Eh da-Flächen hier leisten? Welche ökologischen Aufwertungsmaßnahmen bieten sich an?

Blütenvielfalt:
Eh da-Flächen sind in der Regel mit Vegetation bedeckt, die häufig eine bestimmte Funktion hat, z. B. Straßenböschungen vor Abschwemmung durch Regen zu schützen. Trotzdem ist es in vielen Fällen möglich, den Blütenbestand gezielt zu fördern. So wird Honigbienen geholfen, die „Trachtlücke“ im Sommer, wenn Kulturpflanzen wie Raps und Obst verblüht sind, zu überbrücken. Wildbienen, die oft auf ganz spezielle Trachtpflanzenarten (z. B. die Zaunrübe) angewiesen sind, können gezielt unterstützt werden.

Brutplätze für Wildbienen:
Wildbienen benötigen Raum für ihre Nachkommen. Diese Brutplätze sind, anders als blühende Wiesen, meist unauffällig und wenig attraktiv. Trotzdem brauchen sie Schutz und Pflege. Einen Überblick über die Nistgewohnheiten gibt die folgende Tabelle.

Wo Wildbienen brüten

Lebensraum in % (ca.)
Selbst gegrabene Gänge im Boden 50
Bestehende Hohlräume 19
Selbst genagte Gänge in Totholz oder Pflanzenstängeln 3
Frei stehende Nester 1
„Kuckucksbienen“, parasitär bei anderen Wildbienen 24
Nicht zuzuordnen 3


Flächen planvoll nutzen

Eh da-Flächen sind kein Patentrezept, mit dem der Tracht- und Lebensraummangel für Bienen ein für alle Mal zu lösen wären. Gerade Wildbienen haben oft sehr spezielle Anforderungen an Lebensräume und sind auf spezielle Trachtpflanzen angewiesen. Es bieten sich auch nicht alle Flächen für eine ökologische Aufwertung an. So sollte beispielsweise auf Areale neben viel befahrenen Straßen verzichtet werden, um Verkehrsopfer zu vermeiden.

Trotzdem gilt: Eh da-Flächen bergen nützliche Ressourcen für blütenbesuchende Insekten, wenn geeignete Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung durchgeführt werden. Weitere Informationen in der Broschüre „Blütenbestäuber brauchen mehr Lebensraum – Wie Eh da-Flächen die biologische Vielfalt fördern können