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14.08.2014

Gute Nachrichten für Imker:

Europaweit geringe Völkerverluste nach dem letzten Winter

Erhöhte Winterverluste von Bienenvölkern beschäftigen nicht nur die deutschen Imker immer wieder. Größenordnungen von etwa 10 Prozent werden allgemein als verträglich mit der Imkerei akzeptiert. Höhere Werte hingegen sind kritisch zu bewerten und erregen schnell die Aufmerksamkeit von Presse und Politik, so auch die in einzelnen Jahren in Deutschland verzeichnete Völkermortalität von durchschnittlich bis zu 30 Prozent. Dieses Ergebnis bündelt allerdings nicht nur erhebliche regionale Abweichungen, sondern erst recht deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Imkern.

Studien zeigen differenziertes Bild


Sucht man Antworten auf die Frage nach den Ursachen für erhöhte Sterblichkeit von Bienenvölkern nach dem Winter, kann ein Blick zu den europäischen Nachbarn nützlich sein. Inzwischen gibt es verschiedene nationale und internationale Forschungsprogramme, die hierzu Daten erheben.

Interessante Ergebnisse zur europaweiten Sterblichkeit von Honigbienenvölkern nach dem Winter 2013/14 liefert die kürzlich veröffentlichte Studie von COLOSS (Institute for Bee Health, University of Bern)1. Es wurden Daten aus 19 europäischen Ländern plus Israel und Algerien ausgewertet. Beteiligt waren 17 135 Imker, die insgesamt 376 754 Bienenvölker halten. Grundlage der Erhebung waren standardisierte Protokolle, die von allen Studienteilnehmern ausgefüllt wurden. Wie zu erwarten, variierten die Völkerverluste zwischen den beteiligten Nationen erheblich. Die höchsten Werte kamen aus Portugal mit 14 Prozent, die niedrigsten aus Norwegen mit 6 Prozent. Aus Deutschland wurden 8 Prozent gemeldet, ein im internationalen Vergleich günstiger Wert. Die europaweite Durchschnittsrate der Völkermortalität nach dem Winter 2013/14 lag bei 9 Prozent. Dies war der niedrigste Wert seit Beginn der Datenaufzeichnung durch COLOSS im Jahr 2007.
Ebenso wie COLOSS, verzeichnete auch das European Union Reference Laboratory for honey bee health (EURL.)2 im Vorjahreswinter 2012/13 deutlich höhere Mortalitätsraten mit Höchstwerten in Belgien (33,6 Prozent), Schweden (28,7 Prozent) und England (28,8 Prozent). Deutschland lag auch hier mit 13,6 Prozent im günstigeren Bereich. Diese Daten sind mit denen des Deutschen Bienenmonitorings (13,3 Prozent)3 vergleichbar.

Viele Ursachen – eine Wirkung

Dieser Befund ist zunächst erfreulich. Aber lässt sich daraus ein dauerhafter Trend ableiten? Wie sind die weiträumig erfassten Ergebnisse zu interpretieren? Wenn durchschnittliche Völkermortalität im Jahreszyklus und nach Region variiert, sollten naturgemäß auch sich im Jahreszeitraum und gebietsspezifisch ändernde Faktoren von Bedeutung sein. Eine zentrale Rolle spielt hier das Klima. Ein harter Winter kann für die Honigbienen Stress bedeuten. Effekte zeigt die Witterung auch auf Parasiten und Krankheiten. Das Frühjahr 2013 war relativ kühl. Dies hatte zur Folge, dass die Brutentwicklung erst relativ spät begann und damit auch die Vermehrung der Varroamilben. Varroa ist, wie eine Vielzahl von Studien belegt, Schadfaktor Nr. 1 für die Honigbiene. Eine spät einsetzende Varroaentwicklung bewirkt, dass Populationen des Parasiten auch im fortgeschrittenen Jahr schwächer bleiben als bei frühem Entwicklungsbeginn. Folglich ist das Schädigungspotenzial für die Völker geringer. Die Bedeutung von Parasiten und Krankheiten, die teilweise von der Varroamilbe übertragen werden, wird auch in der EURL.-Studie als Schwerpunkt breit diskutiert. Aber auch die Verfügbarkeit von Tracht, vor allem im zeitigen Frühjahr, zählt zu den witterungsabhängigen Faktoren.

Welche Rückschlüsse sind zulässig?

Neben dem Klima nehmen die imkerliche und die landwirtschaftliche Praxis Einfluss auf die Völkerentwicklung. Angesichts großer jahresspezifi scher und regionaler Schwankungen der Völkerverluste ist es allerdings nicht schlüssig, sehr konstanten Faktoren, etwa dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, nennenswerte Effekte auf die Wintermortalität zuzuschreiben. Wirkstoffe, z. B. aus der Gruppe der Neonikotinoide, werden seit Jahrzehnten eingesetzt. Das über die Jahre wechselnde Auf und Ab der Völkermortalität entspricht aber nicht dem dauerhaft konstanten Einsatz dieser Insektizide. Die Konstruktion eines unmittelbaren Zusammenhangs von Ursache und Wirkung ist deshalb sehr in Frage zu stellen.

Monitoringdaten liefern wichtige Informationen, wenn es um die Frage geht, wie sich verschiedene Probleme der Imkerei lösen lassen. Gleichzeitig lassen sie immer auch Raum zur Interpretation, auch dann, wenn ein Imker ganz andere individuelle Erfahrungen gemacht hat. Aber um die großräumigen Einflussfaktoren und Trends zu analysieren, sind derartige Erhebungen unverzichtbar.

1 http://www.coloss.org/announcements/losses-of-honey-bee-colonies-over-the-2013-14-winter
2 http://ec.europa.eu/food/animals/live_animals/bees/docs/bee-report_en.pdf
3 https://www.uni-hohenheim.de/fileadmin/einrichtungen/bienenmonitoring/Dokumente/DEBIMO-Bericht-2011-2013.pdf