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05.10.2015

Eh da-Flächen in der Gemeinde

Schritt für Schritt zu mehr Blütenvielfalt

Ein vielfältiges Blütenangebot, möglichst gleichmäßig über das Jahr verteilt, wünscht sich wohl jeder Imker für seine Bienen. Der Weg zum Ziel kann durch die eigene Gemeinde führen, wenn die dort allerorts vorhandenen Eh da-Flächen ökologisch sinnvoll bearbeitet werden.

Eh da-Flächen sind definiert als Offenlandflächen in Agrarlandschaften und in Siedlungsbereichen, die weder einer landwirtschaftlichen noch einer naturschutzfachlichen Nutzung unterliegen. Dazu gehören Wegränder, Straßenböschungen, Verkehrsinseln und Grünflächen ebenso wie Dämme an Flüssen oder Bahntrassen. Sie bieten Platz für blühende Pflanzen, die durch Aussaat von Blühmischungen, angepasste Mahdintervalle, Ausmagern der Flächen oder die Bepflanzung mit trachtbringenden Gehölzen gezielt gefördert werden. Welche Schritte empfehlen sich, um ein Eh da-Projekt ins Leben zu rufen?

Impulsgeber gesucht

Im Mittelpunkt des Projekts steht die Gemeinde. Initiator kann jeder sein, ein Bürger, ein Imker, ein Landwirt, der örtliche Naturschutzverein, der Bürgermeister, der Gemeinderat – persönliches Engagement ist das beste Fundament. Vielleicht ist Überzeugungsarbeit nötig, aber in vielen Gemeinden gibt es inzwischen eine hohe Bereitschaft zur ökologischen Aufwertung des eigenen Lebensumfelds. Denn die meisten Menschen wissen, dass geeignete Lebensräume für blütenbestäubende Insekten wie Honigbienen und Wildbienen in unserer Agrarlandschaft immer knapper werden. Und die Blütenbestäubung ist ein hohes Gut, auf das wir nicht verzichten können.

Gute Planungsgrundlage schaffen

Basis eines jeden Eh da-Projekts ist die Analyse der örtlichen Gegebenheiten. Wie viele Flächen mit Aufwertungspotenzial sind vorhanden? Wie groß sind sie? Wie sind sie verteilt? Wer ist der Besitzer bzw. wer ist zuständig? Gemeinden verfügen über Grundstückskataster, die die Besitzverhältnisse ausweisen. Darüber hinaus liefern Geografische Informationssysteme (GIS) nützliche Planungsdaten. Wenn die Potenzialflächen gefunden sind, klären Flächenbegehungen vor Ort, wo Aufwertungsmaßnahmen sinnvoll sind.

Deshalb muss auch das Schutzziel eindeutig definiert werden. Geht es allein um die Förderung der Blütenvielfalt und damit der Trachtquellen für Bienen? Oder sollen auch Bruthabitate der Wildbienen geschützt werden? Leben auf den ausgewählten Potenzialflächen gefährdete Arten, für die sich der Naturschutz besonders interessiert? Je nach Schutzziel sollten die entsprechenden Experten einbezogen werden.
Spätestens jetzt stellt sich die Frage nach den Kosten. Eine Standardantwort gibt es nicht. Bei der „kleinen Lösung“ werden beispielsweise nur Mahdtermine angepasst, um Blütenbestände zu erhalten, was keine Zusatzkosten verursacht. Die „große Lösung“ sieht zusätzlich auch Aussaaten und Anpflanzungen vor. Dazwischen gibt es eine Reihe individueller Abstufungen. Auch dazu muss es in der Planung vor Projektbeginn eindeutige Vereinbarungen geben. Wer macht was bis wann?

Reden ist Gold

Damit ein Eh da-Projekt von möglichst vielen in der Gemeinde mitgetragen wird, ist Kommunikation das A und O. Ein Beitrag im Gemeindeblatt, eine Presseinformation an die regionale Tageszeitung oder ein Vortrag im Gemeindesaal sind nur einige gute Möglichkeiten. Eine Exkursion zu den Eh da-Flächen gemeinsam mit einem Imker, der seine Sicht der Dinge darlegt, mit einem Naturschutz- oder Biotopbeauftragten, Flächeneignern und Gemeindemitgliedern fördert das wechselseitige Verständnis.

Allianzen bilden

Die Projektplanung ist kein Alleingang; schon frühzeitig sind Bürgermeister und Gemeinderat einzubinden. Naturschutzbehörde, Bauhof, Landwirt, ggf. die Forstbehörde und natürlich Flächenbesitzer gehören ebenfalls dazu. Manchmal bietet sich die Anbindung an andere, bereits laufende Projekte an. Daraus können sich wiederum Kontakte zu Experten und potenziellen Geldgebern entwickeln.

Das muss nicht viel Aufwand sein. Tatsächlich sind vor Projektbeginn einige Bemühungen, vor allem Einsatzbereitschaft nötig. Die Erfahrung zeigt aber, dass die Ziele des Projekts viele Menschen motivieren, engagiert mitzumachen. Auf sie kann man bauen, wenn über das Jahr in verschiedenen Zeiträumen vor Ort Erfolgskontrollen durchzuführen sind. Sind die Blühmischungen gut aufgegangen? Wurden die Mahdtermine eingehalten? Auch über Misserfolge muss geredet werden, um es im nächsten Jahr besser zu machen.

Weiterführende Informationen zu Zielen, Projektablauf und Kosten bietet die Broschüre „Eh da-Flächen nutzen – Artenvielfalt fördern. Praxisleitfaden für Anlage und Pflege“ unter dem Link http://tinyurl.com/o779z44 oder zu bestellen über info@remove-this.eh-da-flaechen.de.