Einleitung
Kopf
Thorax
Hinterbein
Abdomen
Varroa-Milbe

Scharfe Einblicke in die Anatomie der Honigbiene (Arbeiterin)

Der Körper der Honigbiene ist im Wesentlichen in drei Teile gegliedert: Kopf - Brust (Thorax) - Hinterleib (Abdomen). Im Brustbereich sitzen die durchscheinenden Flügel, typisch für die Gruppe der Hautflügler (Hymenoptera), zu der auch die Biene zählt. Die insgesamt sechs Beine sind ebenfalls am Thorax verankert. Sie dienen der Fortbewegung, haben aber jedes für sich weitere ganz spezielle Putz- und Sammelaufgaben, die für dieses als besonders fleißig bekannte Insekt so charakteristisch sind.

Dem REM bleibt nichts verborgen

Mit dem Rasterelektronenmikroskop, kurz REM genannt, ist es möglich, der Anatomie dieses komplexen Wesens ein wenig näher zu kommen. Dank extrem hoher Bildauflösung können kleinste Details des Objekts genau wiedergegeben werden, bis zu 300.000-fache Vergrößerungen sind möglich. Die Tiefenschärfe kann die eines Lichtmikroskops um das 1.000-fache übertreffen. Da die Untersuchung in einem Hochvakuum erfolgt, müssen die Objekte vorher komplett entwässert werden. Die REM-Technik braucht außerdem eine leitende Oberfläche, um die Objekte sichtbar zu machen. Diese werden deshalb, nachdem sie zunächst vollständig entwässert wurden, mit einer hauchdünnen Goldschicht versehen. Eine Analyse lebender Objekte ist daher nicht möglich. Es entstehen ausschließlich schwarz-weiß-Bilder, die jedoch an Attraktivität nichts zu wünschen übrig lassen. Farbige REM-Aufnahmen sind immer nachträglich koloriert.

Das auf einem Träger befestigte und mit Gold beschichtete Objekt wird mit einem Metallstab in das REM-Mikroskop eingeführt und für die REM-Aufnahme fixiert.

Am Bildschirm kann die REM-Aufnahme noch feinjustiert und später auch nachbearbeitet werden, um gewünschte Details optimal hervorzuheben.

Alle nachfolgenden Abbildungen können bei Bedarf bei der Initiative „Innovation & Naturhaushalt“ angefordert werden. Um einen Verwendungsbeleg mit entsprechendem Bildnachweis wird gebeten.

Kopf

Der Kopf der Biene ist das Zentrum ihrer Sinne. Hier befinden sich die beiden Komplexaugen, bestehend aus vielen kleinen Facetten. Die beiden Fühler, auch Antennen genannt, und die Mundwerkzeuge mit dem Rüssel sind weitere wichtige Sinnesorgane zum Riechen und Schmecken.

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Das Portrait einer Biene von vorn, deutlich erkennbar die beiden Facettenaugen rechts und links sowie die beiden Antennen.

Die Antenne ist über ein Kugelgelenk mit dem Kopf der Biene verbunden. Auf der Aufnahme sieht man außerdem einzelne Pollenkörner, die sich in der Kopfbehaarung angesammelt haben.

Vier einzelne Pollenkörner am Bienenkopf.

Auf der Oberfläche der Antenne befinden sich Haare und andere Strukturen. Diese tragen Chemorezeptoren, die eine zentrale Rolle für den Geruchs- und Geschmackssinn spielen, sowie die ebenso wichtigen Tastsinnesorgane.

Aufsicht auf das Komplexauge der Biene. Es setzt sich aus Tausenden von Einzelaugen mit jeweils sechseckiger Oberfläche zusammen.

In den verzweigten Haaren am Kopf hat sich ein Pollenkorn verfangen.

Thorax

Im Brustbereich (Thorax) befinden sich die jeweils zwei häutigen Vorder- und Hinterflügel sowie die sechs gegliederten Beine der Biene. Dieser Teil ihres Körpers trägt eine dichte gelb-bräunliche Behaarung.

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Am Thorax der Biene sind die Haare meist stark verzweigt. So können sie die Pollen besser festhalten.

Pollen verfangen sich in den hakenartigen Krümmungen am Ende der Seitenäste der Behaarung.

Pollenkörner sammeln sich zwischen den Haaren an der Körperoberfläche.

Zwei Pollenkörner im Bienenhaar.

Pollenkörner im fein verästelten Bienenhaar.

Hinterbein

Die Hinterbeine sind wichtige Werkzeuge der Arbeiterin. Der ausgeklügelte Sammelapparat dient zum Sammeln der Pollen und für deren sicheren Transport in den Bienenstock.

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Mit der Bürste (oben links) bürstet die Biene den Blütenstaub aus der Körperbehaarung. Mit dem Kamm (Bildmitte) des anderen Hinterbeins kämmt sie den Pollen aus dem Bürstchen. Mit dem Fersensporn (hinter dem Kamm) schiebt sie den Pollen in das Pollenkörbchen.

Im Flug bürstet die Biene mit der am ersten Fußglied des Hinterbeins gelegenen Bürste den Blütenstaub aus der Körperbehaarung.

Im Körbchen, das von einem Haarkranz umsäumt ist, werden die Pollenkörner festgehalten. Es bilden sich die "Pollenhöschen".

Die ausgefeilte Technik des Sammelapparats hilft dabei, dass beim Flug von Blüte zu Blüte wertvoller Pollen nicht verloren geht.

Der Fuß (Tarsus) der Honigbiene besteht aus fünf bedornten Gliedern, mit denen die Biene sich festhält.

Das letzte Fußglied (Prätarsus) trägt paarige Krallen und gewährleistet damit guten Halt auf Blüten und anderen Landeplätzen.

Volle "Pollenhöschen": das Pollenkörbchen an der Außenseite des Unterschenkels ist gut gefüllt.

Lohn fleißiger Arbeit - ein Ballen aus Pollenkörnern wird im Körbchen zusammengehalten.

Abdomen

Die Honigbiene verfügt über einen äußerst beweglichen Hinterleib (Abdomen). Hier befinden sich u.a. der Verdauungs- und der Stachelapparat. Wie alle anderen, ist auch dieser Körperteil stark behaart. Beim Sammelflug fängt sich hier der Pollen und hat wesentlichen Anteil an der Blütenbestäubung.

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Das Abdomen ist von mehr oder weniger verzweigten Haaren verschiedener Bauart besetzt.

Auch Bienen verlieren Haare, z.B. altersbedingt oder durch kämpferische Auseinandersetzungen. Wo ein Haar verloren gegangen ist, bleiben kleine Löcher im Chitinpanzer des Abdomens zurück.

„Staatsfeind Nr. 1“ im Bienenstock

Wer sich aktiv mit der Honigbiene beschäftigt, kommt leider auch an der Varroa-Milbe (Varroa destructor), „Staatsfeind Nr. 1“ im Bienenstock, kaum vorbei. Dieser invasive Parasit aus Asien hielt in den 1970er Jahren Einzug in deutsche Bienenvölker. Seither ist er eine ständige Herausforderung unserer heimischen Imker. Die effiziente Abwehr der Varroa-Milbe ist eine Gratwanderung, denn als Arthropode (Gliedertier) ist sie eine enge Verwandte der Honigbiene und muss so bekämpft werden, dass die Biene keinen Schaden nimmt.

Auf dem Hinterleib einer erwachsenen Honigbiene hat sich eine Varroa-Milbe festgesetzt. Die Milben nutzen die Bienen als Transportmittel, um in die Brutzellen einzudringen oder durch Verflug von einem Bienenstock in den nächsten zu gelangen.

Die Vermehrung des Parasiten findet nur in der verdeckelten Bienenbrut statt. Die heranwachsenden Larven und Puppen werden durch den Befall stark geschädigt. Die adulte Milbe hält sich auf den erwachsenen Arbeiterinnen und Drohnen auf und saugt deren Hämolymphe, eine dem Blut ähnliche Substanz im Kreislauf der Biene. Außerdem überträgt der Parasit andere Krankheitserreger, unter anderem verschiedene Viren. Wenn der Imker hier nicht konsequent mit geeigneten Behandlungsmethoden eingreift, ist das Bienenvolk verloren. 

Varroa-Milben in verschiedenen Entwicklungsstadien in den Brutwaben eines Bienenvolkes.

Varroa-Milbe

Eine einzelne Varroa-Milbe ist so groß, dass der Imker sie mit bloßem Auge erkennen kann. Die für die Honigbiene so unheilvollen Details bringen auch hier die REM-Aufnahmen eindrucksvoll ans Licht.

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Die ausgewachsene Varroa-Milbe misst etwa 1,6 Millimeter. Das entspricht rund einem Zehntel der Körperlänge einer Arbeiterin oder Drohne eines Honigbienenvolkes.

Die Bauchansicht der Varroa-Milbe lässt deutlich auf beiden Seiten des Körpers je vier Beine erkennen. Zwischen den zwei Vorderbeinen befindet sich der Saugapparat des Parasiten.

Die beiden Vorderbeine dienen der Varroa-Milbe gleichzeitig als Fühler, dazwischen ihr Saugapparat. 

Die Detailansicht des Saugapparats lässt das verhängnisvolle Wirken der Varroa-Milbe schon erahnen.

Eine erwachsene Varroa-Milbe hat sich auf dem behaarten Corpus einer Honigbiene festgesetzt.