Unsere Initiative und ihre Ziele

Um die Vielfalt der heimischen Flora und Fauna in unseren Agrarräumen erhalten zu können, fehlt es häufig an geeigneten Lebensräumen. Als Initiatorin des sogenannten »Eh da-Projekts« unterstützt das Forum Moderne Landwirtschaft e.V. im Rahmen seiner Initiative »Innovation & Naturhaushalt« deshalb die Erfassung und Bewertung der Eh da-Flächen in Deutschland.

Salbei am Wegesrand

Eine stärker ökologisch orientierte Ausgestaltung der Landwirtschaft ist ein vorrangiges Ziel unserer Zeit. So fordert die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) von den Landwirten in den EU-Mitgliedstaaten, ab 2015 fünf Prozent der Ackerfläche als sogenannte ökologische Vorrangfläche auszuweisen. Diese Flächenanteile stünden damit für eine nachhaltige Steigerung der Produktivität im Sinne eines möglichst effizienten Umgangs mit den Ressourcen nicht mehr zur Verfügung. Eh da-Flächen außerhalb landwirtschaftlicher Nutzflächen besetzen hier eine wichtige Funktion, denn sie bergen nennenswertes Potenzial zur Förderung der Vielfalt der Arten in Flora und Fauna.

Wegböschungen bieten Wildbienen Lebensraum
Blühende Verkehrsinsel

Was sind Eh da-Flächen?

Eh da-Flächen sind definiert als Flächen, die innerhalb der offenen Landschaft vorhanden sind, aber bisher nicht gezielt landwirtschaftlich oder ökologisch genutzt werden. 

Sie sind also »eh da«. Dies können Straßenböschungen und Wegränder, Verkehrsinseln, Bahndämme, Geländestufen, Grasflächen oder krautige Saumstrukturen sein. Man findet sie in Nachbarschaft bewirtschafteter Flächen ebenso wie im Umfeld gering verdichteter Siedlungsbereiche. Nach gezielter ökologischer Aufwertung können sie z. B. Bestäuberinsekten wie Hummeln, Solitärbienen oder der Honigbiene mit ihren jeweils unterschiedlichen Ansprüchen Lebensräume und Nahrungsquellen bieten.

Videopräsentation ansehen:
„Wachstum verschiedener Saatmischungen auf Eh da-Flächen im Zeitraffer"

Wissenschaftliche Studie erfasst Flächenpotenzial

Um das bundesweite Potenzial solcher Eh da-Flächen zu ermitteln, wurde im März 2012 die Studie »Eh da-Flächen in Agrarlandschaften« gestartet. Wissenschaftler des Instituts für Agrarökologie – RLP AgroScience und der RIFCON GmbH haben mithilfe von Geodatensystemen in Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Brandenburg, Repräsentanten von Agrarlandschaften mit jeweils charakteristischen Strukturen, in Betracht kommende Flächen erfasst. Die ökologische Bewertung erfolgte unter Berücksichtigung verschiedener Standortparameter wie Hangneigung, Bedeckungsgrad und Beschattung. Um die biologische Vielfalt zu ermitteln, wurden durch Kescherfang vor Ort blütenbestäubende Insekten und andere Nützlinge erfasst.

Honigbiene mir Pollenhöschen
Mit Pollen bestäubter Bläuling

Zwischenergebnisse und Ausblick

Rheinland-Pfalz zeichnet sich durch eine relativ hohe Straßendichte und eine kleinere durchschnittliche Schlaggröße der landwirtschaftlichen Flächen aus. In den hier erfassten Untersuchungsgebieten wurde ein Eh da-Flächenpotenzial von durchschnittlich fünf Prozent an der Gesamtfläche ermittelt. In den Untersuchungsgebieten in Niedersachsen und Brandenburg, gekennzeichnet durch eine im Vergleich deutlich geringere Straßendichte und größere Schläge, ergibt sich ein durchschnittliches Potenzial von bis zu drei Prozent.

Bis zum Frühjahr 2014 wird das deutschlandweite Potenzial an Eh da-Flächen auf Basis weiterer Untersuchungsareale und einer abschließenden Hochrechnung auf vergleichbar strukturierte Landschaftsräume ermittelt.

Honigbiene
Florfliege
Holzbiene

Artenvielfalt geht uns alle an

Ein funktionierender Naturhaushalt ist Existenzgrundlage eines jeden Landwirts. Natur nutzen und Natur schützen sind deshalb nicht voneinander zu trennen. Dennoch kann die Förderung der Vielfalt der Arten nicht ausschließlich in die Verantwortung der Landwirtschaft abgegeben werden.

Gepflegtes Grün, aber monoton
Wildbienenhotel im Winter

Die Förderung angemessener Lebensräume zur Unterstützung der Artenvielfalt geht uns alle an.

Um das Potenzial der vorhandenen Eh da-Flächen optimal nutzen zu können, braucht es engagierte Unterstützer aus dem kommunalen Bereich, aus Landwirtschaft, Wissenschaft und Wirtschaft. Aber auch jeder einzelne Bürger kann seinen Beitrag leisten.

Ein wenig Unordnung im heimischen Garten z. B. in Form von morschem Holz oder Gestrüpp vom Vorjahr oder das selbst gebaute Insektenhotel können wertvolle Lebensräume sein, wenn zusätzlich das passende Blütenangebot als Nahrungsquelle nicht nur für Bienen, sondern auch für Schmetterlinge, Käfer und Fliegen vorhanden ist.

Blütenbestäuber brauchen mehr Lebensraum – Wie Eh da-Flächen die biologische Vielfalt fördern können
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Pollinators need more habitats - How to promote biological diversity using land in hand 
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