Landwirtschaft: Helfer der Natur

53% oder 188.000 km2:
Landwirtschaftliche Nutzfläche

30% oder 107.000 km2:
Wälder

8% oder 29.000 km2:
Siedlungsfläche

5% oder 18.000 km2:
Verkehsfläche

4% oder 14.000 km2:
Sonstige Flächen

Die Landwirtschaft trägt auf vielerlei Weise dazu bei, den Naturhaushalt sowie die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten in der Kulturlandschaft zu erhalten. Deutschland hat eine Gesamtbodenfläche von ungefähr 356.000 Quadratkilometern. Davon sind 53 % oder 188.000 Quadratkilometer landwirtschaftliche Nutzfläche.

Aus dieser Tatsache leitet die Landwirtschaft ein ganz besonderes Verantwortungsbewusstsein ab: Sie ist nicht nur für die Produktion von Gütern verantwortlich, sondern auch für eine ganze Reihe weiterer Aspekte. Dazu gehören zum Beispiel

  • der Erholungswert,
  • die regionale Einmaligkeit,
  • die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten einer Agrarlandschaft.

Landwirtschaft schafft Abwechslung

Ohne die Landwirtschaft wären auch heute noch weite Teile Deutschlands von Buchenwald bedeckt. Dank ihr entwickelte sich eine abwechslungsreiche Landwirtschaft und mit ihr eine vielfältige Nutzung. So entstanden im Laufe der Zeit beispielsweise Freiflächen, Saumbiotope und Waldränder, die verschiedensten Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum bieten.

Strukturreiche Agrarlandschaft
Feldhase und Kranich: zwei typische
Bewohner der deutschen Kulturlandschaft

Die Bedeutung dieser landschaftlichen Vielfalt erkannte auch die Europäische Union. Im Jahr 1992 verabschiedete sie zum Beispiel die „Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie“ zum Erhalt wildlebender Pflanzen und Tiere sowie ihrer natürlichen Lebensräume. Der Erhalt mancher dieser Lebensräume setzt eine landwirtschaftliche Nutzung voraus: Dazu zählen zum Beispiel Heiden, Wacholderbestände und unterschiedliche Formen des Grünlandes.

Rückgang von Arten

Gleichzeitig trägt die Landwirtschaft aber auch zum Rückgang von Arten bei. Der Bestand mancher Arten, die in Kulturlandschaften leben, ist zweifelsfrei rückläufig. Die Hauptursache ist in der Regel eine Nutzungsänderung. So nehmen beispielsweise die Bestände von bodenbrütenden Wiesen- und Ackervögeln, Heckenvögeln sowie Vögeln auf Streuobstwiesen und -äckern deutlich ab. Der „Nachhaltigkeitsindiaktor für Artenvielfalt", der auf der Bestandentwicklung ausgewählter Vogelarten basiert, verdeutlicht, dass die Artenvielfalt generell als rückläufig angesehen werden kann.

Vögel der Argarlandschaft als Nachhaltigkeitsindikator1
Ökologische Artengruppen der Vögel der offenen Kulturlandschaft: Bestandtrends in Bayern (Zahl der Arten)2

Beim Erhalt der Ressourcen Wasser, Boden und Luft spielt die Landwirtschaft eine wesentliche Rolle. Beispielsweise kommt der Landwirtschaft als weltweiter Hauptverbraucher eine wichtige Bedeutung im Wasserhaushalt zu, indem ihre Ackerflächen als Wasserspeicher im Boden dienen. Auch der Schutz von Böden vor Erosion und der Erhalt der Fruchtbarkeit werden durch die Landwirtschaft gewährleistet.

Wasser

  • Die Landwirtschaft ist weltweit Hauptverbraucher von Wasser.
  • Landwirtschaftlich genutzter Boden spielt eine wesentliche Rolle im Wasserhaushalt.

Boden

  • Der Schutz von Boden vor Erosion und der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit ist eine wesentliche Aufgabe der Landwirtschaft.
  • Bodenorganismen sind wichtig für die Stabilisierung und Neubildung von wertvollem Humus.

Luft

  • Pflanzen und Boden speichern CO2 und setzen es durch Bodenumbruch oder über den Nahrungskreislauf wieder frei.
  • Auch Methan und Lachgas sind klimawirksame Gase, die von der Landwirtschaft beeinflusst werden.

 

Im Zusammenspiel von Landwirtschaft und Naturhaushalt kommt es vor allem auf die Balance zwischen Nutzung und Schutz der Arten in der Agrarlandschaft an. Hierzu werden vielfältige Maßnahmen und Methoden entwickelt und bereits angewandt. Die Balance zwischen dem Wandel, seiner gesellschaftlichen Akzeptanz, dem Erhalt und der Neuentwicklung ist eine herausfordernde gesellschaftliche Aufgabe.

 

1 Dröschmeister, R.: Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt: Indikatoren und Monitoring, in: Begemann, F.; Schröder, S.; Wenkel, K.O.; Weigel, H.-J.: Monitoring und Indikatoren der Agrobiodiversität, BLE, 2007

2 Bezzel, E.; L. Geisenberger, G. v. Lossow; R. Pfeifer: Brutvögel in Bayern, Verlag Eugen Ulmer, 2005