Die Honigbiene

Blütenbestäubende Insekten spielen in der Landwirtschaft und damit für den Menschen eine wichtige Rolle. Zu diesen Insekten gehören in unseren Breitengraden viele Fliegen, Käfer, Hummeln, Wespen, Bienen und – als wichtigste – die Honigbienen. Grob geschätzt werden etwa 80 % der heimischen Pflanzenarten von Blütenbestäubern besucht, von denen wiederum circa 80 % durch Honigbienen bestäubt werden können.

Ein Blick ins Bienenvolk: Ein Imker hält eine Wabe in den Händen.
Nach dem Sammelflug: Der Pollenklumpen am Hinterbein der Biene – das „Höschen“ – zeigt, wie fleißig die Arbeiterin war.

Produzentin von Honig und Wachs

Die Honigbiene (apis mellifera) ist nicht nur Blütenbestäuber, sondern auch Produzent von Honig und Wachs. In Deutschland lebt sie so gut wie ausschließlich in der Haltung und Pflege des Menschen – des Imkers. In Deutschland gab es 2009 rund 614.000 Bienenvölker. Ein Volk umfasst etwa 30.000 bis 50.000 Sammlerinnen. Diese haben 2009 in Deutschland ungefähr 14.900 Tonnen Honig produziert. Da in Deutschland jedoch pro Kopf jährlich etwa 1,4 Kilogramm verbraucht werden, spielen Importe eine immer wichtigere Rolle.1

Aber auch weitere Produkte der Biene wie Wachs, Pollen, Bienengift, Gelée royale und Propolis werden vom Menschen genutzt. Die Biene wird als der wichtigste Bestäuber von Wild- und Kulturpflanzen in Deutschland angesehen. Dabei sind landwirtschaftliche Kulturen für Bienen eine wichtige Trachtquelle. Raps- und Sonnenblumenfelder sowie Obstplantagen tragen wesentlich zu den Honigerträgen der Imkereien bei.

Wirtschaftsleistung der Honigbiene

Auch wenn viele landwirtschaftliche Kulturpflanzen wie Getreide, Kartoffeln, Reis oder Hopfen unabhängig von Blütenbestäubern sind, schätzt man, dass die weltweite Wirtschaftsleistung der Honigbiene dennoch bei rund 150 Milliarden Euro liegt. Diesem Wert liegt die Annahme zugrunde, dass Großkulturen, die unabhängig von Insektenbestäubung sind, rund 65 % der weltweiten Nahrungsproduktion ausmachen. Somit verbleiben ungefähr 35 %, die von Insekten bestäubt werden.

Nach Schätzungen der Universität Hohenheim liegt der ökonomische Wert der Bestäubung allein in Deutschland bei etwa 2,5 Milliarden Euro.2  Diese Zahlen machen deutlich: Der volkswirtschaftliche Wert der Bestäubungsleistung übersteigt den Wert der Honigproduktion bei weitem. Denn es werden neben Obstbäumen, Raps und Sonnenblumen auch Erbsen, Bohnen, Paprika, Tomaten und Gewürzkräuter durch Bienen und andere Insekten bestäubt.

Die Behaarung am Körper der Biene hält Pollenkörner fest.
Mit dem „Kamm“ am Hinterbein sammelt die Biene Pollenkörner ein.

Landwirtschaft und Imkerei

Trotz oder vielleicht auch wegen der engen wechselseitigen Abhängigkeit bleibt die Beziehung zwischen Landwirtschaft und Imkerei nicht ohne Spannungen. Diese betreffen vor allem zwei Bereiche:

  • In den Sommermonaten, nachdem die trachtreichen Kulturen (Obst und Raps) verblüht sind, fehlen blütenreiche Wiesen. Werden die Flächen vor der Blütenbildung gedüngt und gemäht, verschwinden vielerorts die Blumenwiesen.
  • Pflanzenschutzmittel sind für die Landwirtschaft unverzichtbare Hilfsmittel zur Sicherung der Erträge. Bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln ist der Schutz der Biene und aller anderen Tiere und/oder Pflanzen, die nicht bekämpft werden sollen (so genannter Nichtzielorganismen), zu berücksichtigen. Dabei ist es egal, ob die zu schützenden Tiere oder Pflanzen auf der bewirtschafteten oder auf einer nicht bewirtschafteten Fläche leben. Die Auswahl des Pflanzenschutzmittels, der Zeitpunkt der Ausbringung, die Häufigkeit der Anwendungen, die Höhe der Aufwandmengen und die Wahl der Applikationstechnik sorgen für einen gezielten Einsatz der Pflanzenschutzmittel.

 

 

1 Deutscher Imkerbund

2 Deutscher Imkerbund