Blühstreifen - bunt und voller Leben

Auf den ersten Blick sieht das wie ein Widerspruch aus: Erntegüter vom Acker in höchster Qualität, hygienisch und frei von fremden Samen und Pflanzenteilen, von Unkräutern, Krankheiten und Schädlingen – und gleichzeitig Vielfalt und bunte Blüten im Feld, wie man es von Fotos mit Kornblumen und Klatschmohn aus vergangenen Zeiten kennt. Tatsächlich würde eine solche „bunte Mischung“ über alle Felder hinweg mit deutlichen Einbußen bei Qualität und Ertrag unserer Nahrungspflanzen einhergehen. Aber sind Ertrag, Qualität und Vielfalt deshalb unvereinbare Ziele?

Klatschmohn an einem Getreidefeld

Die clevere Lösung liegt – wie oft im Leben – zwischen den Extremen: Generell macht eine Trennung in effizient und ertragreich genutzte Felder sowie Vorrangflächen für den Natur- und Artenschutz schon Sinn. Je nach Region und Anbauverfahren auf den Äckern gibt es aber im wahrsten Sinne des Wortes wunderschöne Möglichkeiten, Schutz und Nutzung miteinander zu verbinden. Blühstreifen sind ein Beispiel dafür.

Die Blühstreifen können am Rand…
…und inmitten der Felder angelegt werden

„Farbe“ in der Landschaft

Mit Blühstreifen kommen nicht nur mehr Pflanzenarten und mehr Farbe in die Kulturlandschaft. Die unterschiedlichen Pflanzen, die als Bestandteil der jeweiligen Saatgut-Mischungen ausgebracht werden, ziehen auch die daran angepassten bzw. die darauf angewiesenen Tierarten an. Schon in recht kurzer Zeit, so haben faunistische Untersuchungen im Rheinland ergeben, finden sich z. B. viele Insekten und Schmetterlinge in diesen neuen Strukturen ein. Sie nutzen sie als Lebensraum und/oder als Nahrungsquelle. Nektar aus den Blüten und Deckung für unterschiedliche Wildarten sind deshalb zwei ganz klare Vorteile, die für die Tierwelt der Feldflur mit solchen Blühstreifen verbunden sind. Das gilt besonders, da sie auch nach der Ernte der landwirtschaftlichen Kulturen Nahrung und Deckung für die Fauna bieten.

Blühstreifen sind …

… eigens angelegte, meist 6 bis 12 Meter breite Streifen, in denen bunt blühende (Wild-) Pflanzen aus der jeweiligen Region ausgesät werden. Diese Streifen werden weder mit Düngern noch mit Pflanzenschutzmitteln behandelt und bleiben je nach den geltenden Förderrichtlinien zwischen 2 und 5 Jahre lang erhalten. Landwirte, die an einem Blühstreifenprogramm teilnehmen, erhalten für den Ertragsausfall eine finanzielle Entschädigung.

Ertrag, Qualität und bunte Vielfalt – Ziele, die in der Kulturlandschaft vereinbar sind
Insekten, Vögel und Kleintiere nehmen das Angebot gerne an

Nur mit den Augen „mitnehmen“!

Allerdings gibt es neben Vorgaben, die Landwirte befolgen müssen, wenn sie an solchen Blühstreifenprogrammen teilnehmen, auch Dinge, die Spaziergänger und Erholungssuchende beachten sollten, wenn sie an Blühstreifen vorbeikommen. Sie sollten keinesfalls Hunde in die Blühstreifen laufen lassen, denn Schutz und Deckung für Wildtiere sowie Vögel, die auf dem Boden brüten, würden damit verloren gehen. Auch Blumen für die heimische Vase sollte niemand pflücken, denn nur mit den Blüten bleiben die Nutzeffekte – und die schöne Optik – vollständig erhalten.

Beispielhafte Regelungen:

Die Anlage und Erhaltung von Blühstreifen wird von einigen Bundesländern mit speziellen Programmen gefördert. Mit der Förderung sind für den Landwirt Auflagen verbunden. Dazu zählen etwa in Nordrhein-Westfalen Vorgaben zur

  • Vertragsdauer (5 Jahre),
  • maximalen Größe (2 500 m2 je Feld) sowie
  • Saatgut-Mischung und Saattermin.

Gegebenenfalls erforderliche Pflegemaßnahmen dürfen nicht zwischen dem 1. April und dem 31. Juli vorgenommen und der Aufwuchs darf nicht genutzt werden.