Ökologischer Wert von Zwischenstrukturen?

Wer mit offenen Augen durch die Feldflur fährt oder spaziert, kann eine ganze Menge an Lebensräumen und ökologischen Nischen sehen, die Teil unserer Kulturlandschaft sind. Je nach Region muss es nicht immer gleich ein Biosphärenreservat, ein Naturpark oder ein großräumiges Naturschutzgebiet sein: Sehr wertvoll sind auch Hecken, Feld- und Wegraine oder am Feldrand liegende Haufen von aufgesammelten „Lese“-Steinen. 

Strukturreiche Kulturlandschaft

Rückzugsräume in der Agrarlandschaft

Der Begriff „Zwischenstruktur“ beschreibt Elemente in der Agrarlandschaft, die nicht landwirtschaftlich genutzt werden und so einen dauerhaften Rückzugsraum für viele verschiedene Arten darstellen können. Dazu zählen etwa Hecken, Alleen und Baumreihen, Feld-, Wiesen- und Wegraine, Gräben und Uferstreifen, Feldgehölze und Einzelbäume oder auch Kleingewässer wie Bäche und Teiche.

Gerade den linienhaften Strukturen kommt eine wesentliche Rolle zu: Diese Elemente können unterschiedliche Lebensräume als Wanderungskorridore verbinden und so eine Aus- und Einwanderung von Arten – und auch einen genetischen Austausch zwischen einzelnen Lebensräumen einer Art – ermöglichen.

Artenreiche Hecke mit vorgelagertem Krautsaum – „besonders hochwertig“
Junge Hecke, schmaler Saum – nur eine „signifikante Ausprägung“. Mit zuneh-mendem Alter wird sie wertvoller

Solche Elemente der Kulturlandschaft haben in der Regel jedoch nicht nur als Wanderkorridor für die „Eroberung“ neuer Lebensräume einen naturschutzfachlichen Wert, sondern auch selbst als Lebensraum, als Nahrungsquelle oder als Schutz und Deckung für ganz unterschiedliche Arten. Der Wert der einzelnen Strukturen hängt aber von deren jeweiliger Ausprägung ab. 

Wie die „Ausprägung“ den naturschutzfachlichen Wert bestimmt

Beispiel Hecken: Bei Hecken ist eine ganze Reihe von Merkmalen für die jeweilige Ausprägung entscheidend.

Dazu gehören folgende Kriterien:

  • extensive Pflege,
  • Breite der Strauch- und Baumschicht größer als 6 m,
  • Vorhandensein eines mindestens 3 m breiten vorgelagerten krautigen Saums,
  • älter als 30 Jahre,
  • Strauch- und Baumschicht aus mehr als zwei Pflanzenarten bestehend,
  • heimische und regionaltypische Laubgehölze dominieren.

Für jedes Kriterium wird bei der Bewertung ein Punkt vergeben. Als besonders hochwertig gilt eine Hecke bei 6 Punkten, als hochwertig bei 4-5 Punkten, als signifikant bei 1-3 Punkten. Können keine Punkte vergeben werden, gilt die Hecke als ökologisch unbedeutend und sollte aufgewertet werden. 

Von den Wissenschaftlern des Kölner Büros für Faunistik ist im Auftrag der Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft e. V. (FNL) ein Leitfaden erarbeitet und publiziert worden. Damit können Landwirte selbst ganz leicht mehr über die Zwischenstrukturen auf ihrem Betrieb erfahren. Diese „Anleitung zur naturschutzfachlichen Bewertung landwirtschaftlicher Betriebsflächen“ gibt Auskunft darüber, welchen ökologischen Wert die Strukturen jeweils haben.

„Besonders hochwertige Ausprägung“ einer Ackerbrache – und damit auch wichtige Nahrungsquelle etwa für die Honigbiene
Naturschutzfachlich wenig bedeutsamer, artenarmer Grasstreifen

Das Ergebnis der Bewertung gibt gleichzeitig Hinweise darauf, wie der Wert der Zwischenstruktur oft schon mit geringem Aufwand gesteigert werden kann. Im Einzelfall könnte etwa eine extensivere Pflege einer Hecke, die Anlage eines vorgelagerten, blütenreichen Krautsaums oder auch der Ersatz von gebietsfremden Strauch- und Baumarten durch heimische Arten schon eine deutliche Aufwertung bedeuten.

 

Junge, schmale Baumreihe – nur eine „signifikante Ausprägung“