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13.03.2012

Mit Kamm und Bürste durch die Landschaft

Über das Sammelwerkzeug der Arbeitsbiene

Der Frühling ist da, die Bienen erwachen zu neuem Leben und nehmen, jede gemäß ihrer Bestimmung im Staat, die Arbeit wieder auf. Zehntausende von

Arbeiterinnen werden jetzt wieder aktiv, um im Außendienst Nektar und Pollen für ihr Volk zu sammeln und gleichsam nebenbei ihr wichtiges Bestäubungswerk in landwirtschaftlichen Kulturen und in der natürlichen Vegetation zu leisten.

Der berühmte Zoologe und Verhaltensforscher Karl Ritter von Frisch (Nobelpreisträger 1973) hat sich intensiv mit dem Leben der Honigbiene befasst. Dabei ist er zu wichtigen Erkenntnissen auch über die Arbeitsbiene gelangt, die wohl kein Zweiter so brillant mit Worten und detailgenau gezeichneten Vergrößerungen z.B. ihres Arbeitswerkzeugs zu beschreiben vermochte wie er. Noch tiefere Einblicke in die Anatomie gewähren allerdings modernste Rasterelektronenmikroskope mit bis zu 100.000-facher Vergrößerung.

Wunderwerk der Natur

Karl von Frisch hat die Sammlerin bei ihrer Arbeit beobachtet: „Jede Biene, die ausfliegen will, um Pollen zu sammeln, nimmt zunächst in ihrem Honigmagen von daheim ein bißchen Honig mit. An den Blüten setzt sie sich auf die Staubgefäße, wie man das an den großen Mohnblüten oder wilden Rosen so besonders schön sehen kann, kratzt mit ihren Kiefern und Vorderbeinen den losen Blütenstaub behende herunter und befeuchtet ihn zugleich mit dem mitgebrachten Honig, um ihn klebrig zu machen. Ist reichlich Pollen vorhanden, so bleibt er zwischen den Haaren des ganzen Körpers hängen, wenn die Biene in der Blüte herumarbeitet, und die sieht dann bisweilen aus wie mit Mehl bestäubt.

Während sie zur nächsten Blüte weiterfliegt, sind die Beine unter ihrem Bauch in fieberhafter Tätigkeit: mit den Bürstchen der Hinterbeine bürstet sie den Blütenstaub aus ihrem Körperkleid und von den anderen Beinen ab, dann kämmt sie mit einem steifen Borstenkamm, der am Ende des Unterschenkels sitzt, den Pollen aus dem Bürstchen des anderen Beines heraus, abwechselnd rechts und links; nun hängt der Blütenstaub im Kamm, aber nur für einen Augenblick, dann wird er durch einen geschickten Druck des Fersenspornes durch die Spalte hindurch auf die andere Seite, die Außenseite des Unterschenkels, hinüber und ins Körbchen hinaufgeschoben.

Hier wird so von unten her Schub auf Schub nachgedrückt, das Höschen wächst und wird immer weiter hinaufgeschoben, bis es schließlich das Körbchen ganz ausfüllen kann. Die Mittelbeine drücken und klopfen ab und zu darauf, daß der Ballen gut zusammenhält und nicht verlorengeht.

Heimgekehrt, streift die Sammlerin die Höschen in eine Vorratszelle ab. Alsbald steckt eine junge, mit häuslichen Arbeiten beschäftigte Biene ihren Kopf hinein, zerdrückt die beiden Pollenballen mit vorgestreckten Kiefern und preßt den neuen Blütenstaub mit Nachdruck an den schon früher eingefüllten Vorrat.“1)

Auf Gegenseitigkeit

Dem unermüdlichen Flug der Sammlerinnen von Blüte zu Blüte verdanken landwirtschaftliche Kulturen wie Raps, Obst, Gemüse, Gewürz- und Heilpflanzen deutlich bessere Ernteergebnisse. Im Gegenzug können Landwirte den Bienen durch die Ansaat von Zwischenfrüchten wie Phacelia, Sonnenblume, Buchweizen oder von Bienenweiden zusätzliche Nahrungsquellen anbieten.

Es bieten sich viele Möglichkeiten, dass unsere Umwelt wieder bunter wird: im heimischen Garten, in öffentlichen Parkanlagen, an Straßen- und Wegrändern, an Bahnstrecken und auf ungezählten anderen ungenutzten Flächen. Davon profitieren nicht nur die Honigbienen, sondern auch andere Insekten und Tiere in unserer Kulturlandschaft.

1) Frisch, Karl von: Aus dem Leben der Bienen.
Verständliche Wissenschaft, Band 1, 9. Auflage. Springer-Verlag Berlin Heidelberg New York 1977, S. 18-19