14.05.2012

Innovation Raps

Erfolgsgeschichte des gelben Multitalents

Weite Teile Deutschlands erstrahlen in diesen Tagen wieder in sattem Gelb. Der Raps blüht und der Imker freut sich. In diesem Jahr wächst auf gut 1,3 Millionen Hektar1) Ackerfläche vor allem Winterraps, der im Herbst gesät wurde und bereits zeitig im Jahr blüht. Als eine der wichtigsten Trachtpflanzen für Bienen liefert 1 Hektar Raps einen Honigertrag von durchschnittlich 40 Kilogramm. Im Jahr 2011 lag dieser in Deutschland bei etwa 26.000 Tonnen2). Bei einer ausreichenden Zahl von Bienenvölkern könnten aus der derzeit verfügbaren Anbaufläche theoretisch doppelt so viel, also rund 52.000 Tonnen Honig gewonnen werden.

Vielfältig nutzbar
Raps hat seinen Ursprung im Mittelmeerraum und wird seit dem Mittelalter zur Gewinnung von Öl für Maschinen und Lampen verwendet. Als Lebens- und Futtermittel war Rapsöl wegen seines hohen Gehalts an bitter schmeckender Erucasäure und Glucosinolaten, die negativ auf die Schilddrüse einwirken, jedoch kaum geeignet. Einen ersten Aufschwung verzeichnete der Rapsanbau im Jahr 1974. Dank innovativer Züchtung war es gelungen, sogenannte 0-Rapsqualität mit weniger als 2 Prozent Erucasäuregehalt auf den Markt zu bringen. Weiteren Schub brachte 1986 die Züchtung der glucosinulatarmen 00-Rapsqualität.
Heute gehört Raps zu den bedeutendsten Energie- und Industriepflanzen in Deutschland. Im vergangenen Jahr wurde Biodiesel zu 87,5 Prozent aus Raps hergestellt3). Als hochwertiges Nebenprodukt nach der Ölpressung bleibt Rapskuchen zurück, der als Futtermittel für Rinder, Schweine und Geflügel eingesetzt wird. Nicht zuletzt in der menschlichen Ernährung genießt Rapsöl inzwischen ebenfalls hohe Wertschätzung.

Schonender Pflanzenschutz
Raps ist eine der attraktivsten Ackerkulturen für Schadorganismen – Schadinsekten, Pilzkrankheiten und Unkräuter plagen den Raps. Deshalb kann auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Regel nicht verzichtet werden. Deren Anwendung ist in der „Bienenschutzverordnung“ geregelt. Außerdem stehen innovative Lösungen zur Verfügung. Gegen viele Schädlinge ist an die Stelle der Spritzbehandlung die „Saatgutbeize“ getreten. Das Saatgut wird umhüllt von einer Schutzschicht mit dem Wirkstoff in den Boden ausgebracht. Spritzbehandlungen werden dadurch minimiert, und damit auch Risiken für Bienen und andere Bestäuber.

Bienenflug fördert Rapsertrag
Die Vorteile, die der Raps den Imkern bringt, sind unverkennbar. Umgekehrt werden bei Bienenbestäubung von Raps in Abhängigkeit von Einflussfaktoren wie Sorte, Standort und Klima Ertragssteigerungen berichtet. Diese können sowohl auf erhöhten Fruchtansatz als auch auf bessere Synchronisation der Samenreife zurückzuführen sein. Exakte Angaben für den jeweiligen Standort sind nur schwer möglich. Wie hoch ist der Anteil der Honigbiene an der Bestäubungsleistung aller Insekten? Werden Hybridsorten angebaut? Wie viele Bienenvölker gibt es im Einzugsbereich? Hier ist weitere Forschung nötig – zum Nutzen von Imkerei und Landwirtschaft.

1) UFOP e.V.
2) Deutscher Imkerbund e.V.
3) Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie e.V.