Neue Schädlinge

Die weltweite Vernetzung von Warenströmen sowie der Austausch von unterschiedlichen Produkten und Materialien hat eine kritische Komponente, denn dadurch werden auch Organismen in Regionen verschleppt, in denen sie ursprünglich nicht heimisch sind. Einige von ihnen – so genannte Invasoren – entwickeln sich in ihrer neuen Umgebung in Massen und stellen in Folge eine ernsthafte Bedrohung für die landwirtschaftliche Produktion dar.

So sind heute bekannte Vertreter

  • der Kartoffelkäfer, ursprünglich aus Colorado, USA
  • die Reblaus, ebenfalls aus den USA
  • die Portugiesische Wegschnecke
  • der Maiswurzelbohrer, USA
  • der asiatische Marienkäfer
  • sowie die ebenfalls aus Asien stammende Varroa-Milbe

in Deutschland als Schädlinge verbreitet. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es nicht bei diesen Beispielen bleibt. Jeder Invasor bedarf innovativer Maßnahmen, um ihn unter Kontrolle zu halten.

Kartoffelkäfer

Er heißt auf Englisch nicht umsonst „Colorado beetle“. Denn in Colorado, USA, liegt seine Heimat, wo er auf einer wilden Nachtschattenpflanzenart lebt. Ursprünglich stammt er zwar aus Südamerika, aber erst nachdem er die Kartoffel als neue Wirtspflanze angenommen hatte, wurde er zum Großschädling. Sein „Siegeszug“ begann mit seiner Einschleppung nach Eurasien. Im Jahr 1877 trat er erstmals in den Hafenanlagen von Rotterdam und Liverpool auf und keine zehn Jahre später entdeckte man die ersten großen Befallsherde.

1935 tauchte er in Lothringen auf, kurz danach überquerte er den Rhein und breitete sich mit einer Geschwindigkeit von 20 bis 30 Kilometern pro Jahr nach Osten aus. Heute besiedelt er Nordamerika, Europa und große Teile Asiens. Der Käfer – ebenso seine Larve – frisst Kartoffelblätter und wird dadurch zum landwirtschaftlichen Großschädling. Natürliche Gegenspieler hat der Kartoffelkäfer kaum, denn er verträgt und speichert das schwach giftige Solanin aus der Kartoffel und schützt sich so vor Feinden.

Reblaus

Sie ist eine Blattlausart, deren gesamter Entwicklungszyklus am Rebstock verläuft. Dieser Entwicklungszyklus ist kompliziert und verläuft sowohl unter- als auch oberirdisch an den Rebstöcken. Im 19. Jahrhundert führte die Reblaus in europäischen Weinbaugebieten zu drastischen Verwüstungen. Der Schädling war durch Rebstöcke aus Amerika über England nach Frankreich eingeschleppt worden. Allein in Frankreich wurden 2,5 Millionen Hektar Rebfläche vernichtet. Ihre „Invasion“ setzte sie zum Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland fort. Der Schaden der Reblaus entsteht nicht – wie häufig angenommen – durch Fraß an der Wirtspflanze, sondern durch Inhaltsstoffe des Speichels, der während des Saugens in die Wirtspflanze gelangt. Die Saugtätigkeit schädigt vor allem das Leitgewebe der Wurzeln, was zum Absterben der Pflanze führen kann. Durch den Einsatz resistenter Rebsorten wird dieser Großschädling heute erfolgreich unter Kontrolle gehalten.